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03/05 2004

LüBaLü: Rebellins Nirwana



Perdi auf Brautschau?
© Cyclingimages

Text & Fotos: Cyclist

 

Eigentlich sollte dies ein typischer Bericht eines Rennwochenendes aus Sicht eines Radsportfans werden, aber nun sitze ich seit einer Stunde vor dem blinkenden Cursor und irgendwie gibt es nicht so viele unterschiedliche Begebenheiten, über die ich hier berichten könnte bzw. möchte. Natürlich könnte ich von dem Chaos vorm Start erzählen oder von Paolo aus Ancona vom Scarponi-Fanclub, mit dem ich mich irgendwie mit einem Gemisch aus Italienisch und Englisch doch verständigt habe. Ich könnte auch von meinem missglückten Treffen mit Tick berichten, deren SMS ich erst kurz vor dem Start bemerkte als ich schon in einem Teamwagen in Richtung Ziel unterwegs war. Oder aber die Frage aufwerfen, ob Perdi (aka Miguel Angel Martin Perdiguero), der nach dem Rennen im feinsten Nadelstreifenanzug durchs Fahrerlager lief, auf Brautschau war. Aber das alles sind Nebensächlichkeiten, denn Davide Rebellin hat durch seine Granatenform die Welt zum Stehen gebracht und so berichte ich eigentlich vielmehr über den genialen Aufstieg von Davide und Gerolsteiner.



Das "andere" deutsche GS I Team

Serpellini aus der italienischen Fraktion der Gerols© Cyclingimages

Rebellin-Spezi Serpellini
© Cyclingimages

Das andere deutsche GS I Team mit dem Nicht-Favoriten Davide Rebellin, wie Gerolsteiner und der Italiener noch anlässlich des Amstel-Gold-Races von der ARD dem breiten Fernsehpublikum vorgestellt wurden, wagt es nun doch tatsächlich dem ersten deutschen GS I Team (T-Mobile) Konkurrenz zu machen. Ungeheuerlich!

 

Was mir Gerolsteiner von Anfang an so sympathisch machte, war die Nähe zu seinen Fans. Alle Mitglieder des Teams, ob Fahrer, Pfleger oder Mechaniker, waren stets offen und interessiert an den Fans. Auf der einen Seite das erste den Fans entrückte deutsche GS I Team, auf der anderen Seite, das andere publikumsnahe deutsche GS I Team. Viel beigetragen zu meiner Sympathie hat auch das Fantreffen mit den Gerols anlässlich des Henninger Turms 2002, das Erlebnis ist mir noch immer in bester Erinnerung.

 

2002 war auch das Jahr, in dem Davide Rebellin zum ersten Mal für das Team von Hans Michael Holczer in die Pedalen trat. Gerolsteiner hatte zum ersten Mal einen "Star" verpflichtet, doch der Star fuhr nicht die erhofften Erfolge ein. Schnell wurde – außerhalb des Teams, d.h. von Journalisten und anderen selbsternannten Experten – von einer Fehlverpflichtung gesprochen. Im Team selbst blieb man ruhig, eine rätselhafte Viruserkrankung wurde als Ursache ausgemacht und behandelt. Jetzt im Jahre 2004, in dem die gesundheitlichen Probleme der Vergangenheit angehören, überrascht Davide Rebellin plötzlich die Radsportfachwelt. Als vermeintlicher Außenseiter (ARD) gewinnt Davide das Amstel-Gold-Race und wenige Tage später den Fléche Wallone. Nicht schlecht für einen Nicht-Favoriten…

 

Nun steht das Lieblingsrennen von Davide auf dem Programm, was würde er nach zwei Siegen in Folge noch leisten können? Das Wetter ist am Renntag italienerfreundlich, sprich kein belgisches Schmuddelwetter, sondern herrlicher Sonnenschein empfängt die Rennfahrer am Start. Die Gerolsteiner Fahrer sind alle sehr optimistisch, wissen sie doch, dass sich ihr Kapitän in einer Topform befindet. Aber auch jeder weiß wie im Radsport Kleinigkeiten den Ausgang eines Rennens beeinflussen können. Sturz oder Defekt zum falschen Zeitpunkt und alles ist verloren… Insofern bedeutet jedes Rennen trotz des Wissens um die hervorragende Form des Kapitäns eine enorme Anspannung und Nervosität bei allen Beteiligten, nicht nur bei den Fahrern selbst.



Rebellin, König der Adennen



Weltcupmode bei Rebellin
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Auf den exakten Rennverlauf brauche ich hier nicht einzugehen, ich muss auch nicht das Rennen bis ins kleinste Detail analysieren. Das haben schon diverse andere Radsportseiten mehr oder weniger gut erledigt und eine andere Erkenntnis als dass die Taktik von Gerolsteiner an diesem Wochenende einmal mehr aufgegangen ist, könnte ich auch nicht präsentieren. Vielleicht nur soviel: Gerolsteiner kann sich bei Michael Boogerd für seine Arbeit bedanken, dass er innerhalb der Dreier-Gruppe immer wieder die Lücken zugefahren hat und so die Strasse für Rebellins historischen Triumph bereitet:

18.04.2004. Sieger Amstel Gold Race

21.04.2004: Sieger Fléche Wallone

25.04.2004: Sieger Lüttich-Bastogne-Lüttich

 

Dass Boogerd seinen Sohn nicht Davide taufen möchte, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, ist doch so ein wunderschöner Name....

 

Aber zurück zu dem großen Davide: Zum ersten Mal in der Geschichte des Radsports gelingt es einem Fahrer alle drei Ardennen-Klassiker in Serie zu gewinnen.

Aus Rebellin wird Tre-Bellin – phänomenal!

 

Die Reaktionen auf diesen Sieg sind entsprechend: Ungläubiges Staunen, Bewunderung und Hochachtung vor Gerolsteiner und seinem Star. Gelobt wird v.a. die hohe Professionalität Davide Rebellins sowohl in seiner Rennvorbereitung als auch im Umgang mit den Medien. Er braucht keinen Anstandswauwau wie manch anderer Fahrer, der ihm sagt, wie er sich zu verhalten hat. Gerolsteiner kann sich in jeder Hinsicht 100%ig auf seinen Kapitän verlassen.

 

Die Bewunderung ist im gesamten Fahrerlager zu spüren. Als Rebellin nach dem Rennen bei seinem Team eintrifft, geht ein Raunen durch das Fahrerlager. Besser lässt sich die Annerkennung seiner Leistung durch Medienvertreter, Fahrer und Fans nicht beschreiben. Die Stimmung ist einmalig und dieses Gefühl der Bewunderung für einen großen Fahrer lässt sich mittels Worten nur schwer wiedergeben. Ihr könnt mir aber glauben, dass ich stolz bin, diesen historischen Augenblick und die Reaktionen „live“ miterlebt zu haben. Das ist etwas ganz besonderes.

 

Danke, Davide!






Davide frisch geduscht nach einem wahren Interviewmarathon
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