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Friedensfahrt im neuen Deutschland

Text und Fotos von Raktajino



Es spielen mit:

 

Ich selbst, Henrike – raktajinotrinkender Quotenossi vom Dienst

Sandra, ein einheimisches Tier aus der Familie der Pantherae

Kevin, der Kempf von og

Arne, die 77jährige vmartige Laberbacke

Sven, der ginesisches Essen sicherlich dem Hannoverschen Döner vorzieht

Bernie, Nini's Pressesprecher

Katrin, zu der mir keine Assoziation mit Kian einfällt

Hanna, die abc-Schützin

Svenja, Anne, Julia, Eva, Christine: Chicks

 

 

Friedensfahrt - dieses Wort steckt voller Verheißungen auf Etappen in unmittelbarer Nähe und das Gefühl, mittem im Radsportgeschehen zu sein. Umso seltsamer war es dieses Jahr, dass die Friedensfahrt rund um Hannover fuhr. Und Hannover ist nicht nur "nicht Sachsen", sondern noch viel mehr (bzw. weniger, wir wollen hier ja nichts beschönigen) - Westen! Aber ich bin ja tolerant und aufgeschlossen, und deshalb fuhr ich nach Hannover um dort die Friedensfahrer heimzusuchen. Immer mal was neues…





Tomas Konecny und seine schönen Augen

Los ging es am Sonnabend, dem 9ten 5ten, früh um 7:24 Uhr auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Einmal umsteigen in Halle/Saale und dann bis nach Hannover durchfahren. Nach nur 3 Stunden Schlaf hatte ich einige Probleme wach zu bleiben, da ich gehofft hatte, mich während der Zugfahrt mit Walter Moers wachhalten zu können, was jedoch nicht zu funktionieren schien. Doch seitdem ich nach meiner Heimfahrt von Frankfurt/Main am Wochenende zuvor nachts im Zug einschlief und auf dem Leipziger Hauptbahnhof vom Schaffner geweckt werden musste, versuchte ich nun Schläfrigkeiten zu vermeiden. Also hielt ich mich wach durch Naturbeobachtungen, soll heißen ich zählte die Hasen auf den Feldern.

Durch irgendwelche Probleme - der Schaffner nuschelte was von Betriebssystem durch den Lautsprecher (jetzt müsste eigentlich ein obligatorischer Windows-Witz kommen…) - verspätete sich die Ankunft des Zuges um etwa eine Viertelstunde.

Draußen vor dem Bahnhof sollten Kevin und Arne unter einer Statue, dem „Schwanz“, auf mich warten. Mit meiner 10-minütigen Verspätung aus dem Bahnhof stürzend, musste ich feststellen, dass der "Schwanz" völlig unbemannt war. Also tat ich das, was ich sowieso am liebsten tue: Rumstehen. Nach nur wenigen Augenblicken sah ich dann allerdings schon die beiden Herren aus dem Bahnhof kommen. Das schwierigste - finde die richtigen Leute um den Tag zu überdauern - war damit geschafft. Soweit sogut. Nun ging es Richtung Zielbereich, denn dort sollten die Jedermänner ihr Rennen alsbald beenden.

Wir erwarteten Christian, den Fahrer eines cayo-Rades (oder so ähnlich) natürlich ganz vorne in der Spitzengruppe. Bis er jubelnd über die Ziellinie rollte, dauerte es allerdings noch ein wenig. Kevin zückte sein Megaphon und tat sein bestes, um Christian nach vorne zu schreien.

Im Anschluss daran bewegten wir uns in Richtung Ziellinie und gabelten dort sowohl Christian als auch Sandra auf. Wie schön, jemand bekanntes zu sehen! Mit Bekannte-Treffen ging es dann auch ratzfatz weiter: Ich entdeckte Anne und Bernie und sehr zu meiner Freude hatte Anne frische Lade-Fotos mit. Kaum steckte ich die Fotos zurück in die Verpackung um Lades edles Antlitz vor Regentropfen zu schützen, sprang mir Sven entgegen. Währenddessen war die Einschreibung schon voll im Gange, ich schaffte es leider nicht mehr, den schönen Bonomi zu fotographieren. Welch ein Pech...

Nun war wieder ein wenig Rumstehen angesagt: Kevin machte sich auf Autogramm-Jagd, Hanna schaute vorbei und wollte dann Wiesenhof suchen. Wiesenhof - dieses Wort löst bei mir fast schon Chick-Reflexe aus! Wollte mich anschließen, musste dann aber feststellen dass nirgendwo Wiesenhofis zu sehen waren. Dafür aber Svenja, Christine und Julia. Na wenigstens was...

 





Knusprige Grillhähnchen

Zurück bei der Einschreibung. Tomas Konecny wurde kurz interviewt, und ich hatte endlich die Gelegenheit, seine wirklich schönen Augen zu begutachten. Das erste Foto des Tages war gemacht. Nach einiger Zeit sah man dann tatsächlich Wiesenhof-Trikots herannahen. Als zivilisierter Fan war ich natürlich nicht in der Lage, die Jungens vom Rad herunter zu zerren und sie zu Fotos mit mir zu zwingen. Als sie sich alle auf die Bühne verkrümelt hatten, stellte ich mich dann aber doch in Position um sie zumindest mit der Kamera abzufangen. Als sie dann endlich - nachdem Heppe noch was in seinem göttlichen Dialekt sagen durfte - von der Bühne herunterkamen, drückte mir Björn Schröder seinen Fressbeutel in die Hand. Die armen Schweine mussten vom Co-Sponsor aus Wurzen jeweils einen Beutel voller Wurzener-Produkte auf die Bühne nehmen. Der Beutel erwies sich als sowohl nahrhaft - mit Cornflakes und Zeugs - als auch verspielt - mit Dill-Alligatoren. Wurzener war allen anderen kein Begriff, Sandra: “Ist das so’n Ost-Produkt?“… und seitdem durfte ich mir einiges in Sachen Ossi-Sprüche den Rest des Tages lang anhören. Aber ich bin ja schon groß und kann mit sowas umgehen (*abwendundschluchz*).

Ich hatte sofort die Idee, mir den Beutel von den Wiesenhofis signieren zu lassen, hatte aber natürlich keinen Edding dabei… hab an ein paar Ständen gefragt ob sie vielleicht einen haben, hatte aber keinen Erfolg. Ein etwas älterer Herr wollte mir stattdessen eine Ausgabe „Neues Deutschland“ andrehen… als ob ich so anfällig für sozialistisches Gedankengut aussehe... Ein Edding ließ sich dann doch noch auftreiben, Anne war meine Rettung! Musste dann nach dem Rennen nur die Wiesenhofer finden…

 

Nachdem die Fahrer sich in Form des Starts auf die Socken gemacht hatten, beschlossen wir, einen gut gelegenen Streckenpunkt aufzusuchen. Das "wir" bestand nun aus natürlich mir, Sandra, Sven, Kevin und Arne. Hanna wurde antelefoniert, hatte aber offensichtlich keine Lust mitzukommen, genau wie die Chicks. Also begaben wir uns zu irgend so einem Teich und warteten auf das Feld. Die Gesprächsthemen waren vielfältig: Tippspiel, Neotippspiel, Tippspiel. Und da soll noch einer sagen, Frauen würden mehr reden als Männer...

Das Feld kam wie erwartet geschlossen vorbei. Ich saß unten und machte Fotos, hinter mir rief man nach Ulle.

Danach machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Die Hannoveraner lockten uns mit "Markthalle", "Spaghetti-Palast" und "selbstgebrautes Bier". Die Realität sah dann aber so aus, dass rein gar nichts offen hatte. Warum auch - es war ja nur Sonntag Nachmittag, zur besten Essenszeit. Selbst Nordsee hatte geschlossen. So langsam kam mir der Verdacht, dass Hannover nicht nur hässlich, sondern auch ein winzigkleines Kaff ist. Unsere vorläufige Rettung hieß dann "Mc Döner", jedoch bin ich mir nicht sicher, ob man das, was man uns dort vorsetzte, wirklich als Döner, geschweige denn Rettung bezeichnen konnte. Am Nachbartisch entdeckten wir überraschenderweise Eva, Katrin und Evas Freund.

Der Dönerladen entwickelte sich alsbald zum „Wir-schikanieren-Henrike-Schauplatz“. Kein Wunder dass mir der Inhalt meines Döners etwas abhanden kam... Ich verspreche hiermit, dass ich beim nächsten Mal auch auf Ulle essen werde!

Aber hey, als „Ober-loserin“ wurde ich vorher noch nie bezeichnet. Und für derartige Grenzgänge bin ich immer zu haben. So langsam beschlich mich die Ahnung, dass Arne ziemlich viel erzählt wenn der Tag lang ist... (und auch wenn er kurz ist, denn so spät war es ja noch nicht!)





"Wo bleibt ihr denn?" - Eric Baumann ersprintet sich ein paar Punkte


Auf dem Weg zurück zur Strecke entdeckten Sven und ich ein nettes „Einfahrt-verboten-Schild“, welches auf der Straße lag und "Henrike, nimm mich mit!" rief. In Gedanken hatte ich es schon an mich genommen und zuhause an meine Wand gehängt... beim nächsten Mal vorbeigehen wollte ich es mir stibitzen. Erstmal jedoch die zweite Runde des Rennens - Dennis Kraft vorne! Kevin mit Megaphon, Sven mit Deutschlandflagge, der Rest mit Gebrüll und Gejubel, ich mit Fotoapparat - Dennis muss sich wie der König der Welt gefühlt haben als er an uns vorbei fuhr. Ließ sich natürlich nichts anmerken - obwohl er vorher auf der Ziellinie nett gewunken hatte.

 

Im Anschluss an die Durchfahrt wurde mein Gesuch nach Kaffee erhört und wir begaben uns in ein Café. Es hatte geöffnet, unglaublich! Der dort hängende Bildschirm mit Formel-1-Übertragung schuf eine richtig gemütliche Atmosphäre... was gibt es schöneres als 4 Leute um sich herum zu haben, die wie gebannt auf solch ein Ding starren? Das Rennen schien bald zu Ende zu sein bzw. uninteressant zu werden, denn dann hatte Arne wieder das Bedürfnis, über Radsport zu reden. Ob es dabei um Tippspiele oder irgendwas anderes ging, weiß ich nicht mehr genau, denn ich muss gestehen - ich hab abgeschaltet. Zumindest was Arnes Radsportgeschwall anging. Dann wurde gehetzt, ich sollte mich beeilen mit austrinken. Sven wollte mir gar dabei helfen. Danke, mit Kaffee – und sei er auch noch so stark - werd ich schon fertig. Es ist keine Schande, langsam zu sein!

 

Auf dem Weg zurück zur Strecke kamen wir wieder an dem Schild vorbei. Sven und ich wollten es gerade entwenden, da rief Kevin mit seinem Megaphon den Polizisten am anderen Ende der Kreuzung zu, dass wir ein Schild klauen wollten! Und das mehrmals… Auch wenn die Polizisten völlig gerechtfertigterweise – denn wer hört schon auf Kevin ? - nicht reagierten, so war es uns dann doch lieber, das Unternehmen abzubrechen. Zumindest haben wir viel gelacht.

Viel zu lachen gab es für einige dann auch, als wir den Zielsprint sahen – Denis Bertolini gewann vor Bonomi und Zabel. Hier trafen wir dann Eva, Katrin und Hanna wieder. Hanna trug ein exklusives, farb- und formschönes Leibchen, welches sie als Fotomensch markierte. Das musste fotomäßig von mir festgehalten werden, auf dass sie sich immer an dieses Teil erinnere…

 



 

Wir machen einen Sprung und befinden uns bei der Siegerehrung. Direkt neben uns war ein Stand einer hannoveranischen Zeitung, welcher sehr viele und sehr leckere Gummibärchen herumliegen hatte. Hier zeigte sich wieder, welch eine nette Person der Herr Kempf ist – er machte die Dame am Stand darauf aufmerkam, dass ich schon mal Bärchen geholt hatte. Diese war zum Glück kooperativ und erlaubt mir ein erneutes Zugreifen. Ansonsten taten wir das übliche: Rumstehen. Die Siegerehrung wollte nämlich gar nicht in Gang kommen. Wir versuchten die Menge aufzumöbeln mit lauten „Ulle! Ulle!“-Rufen. Kevin rief per Megaphon „Laaaangweilig!“ Aber dennoch – keine Reaktion außer den verwunderten und amüsierten Blicken der Leute um uns herum. Die Spekulationen über das Ausbleiben der Siegerehrung reichten von „Bonomi muss sich noch schminken“ über „Erik weint“ zu „Cordula bestraft Erik mit dem Nudelholz“. Tatsächlich war Bonomi der Grund… er kam gleich gar nicht. Zabel sah ziemlich grantig aus und wurde auch nicht froher, als wir ihn hinter der Bühne nach der Siegerehrung noch bejubelten. Armer Ete… wobei er froh sein kann, dass wir da nicht nach Ulle gerufen haben.

Kevins Megaphon erwies sich als nützlicher Helfer als es darum ging, Fotos von den siegergeehrten Fahrern hinter der Bühne zu machen. Eric Baumann wurde auf diese Weise zum Lachen angeregt, und auch Lars Wackernagel konnte sich nicht entziehen. Über Lars, als einen meiner Helden seit der letztjährigen Sachsen-Tour, hab ich mich besonders gefreut. So sehr, dass ich unbedingt ein Autogramm von ihm auf meinem Fressbeutel wollte. Da er jedoch erstmal in ein Gebäude entschwunden war, mussten wir noch ein wenig warten. Währenddessen fuhren die anderen Teams und Fahrer alle schon ab, mein schönes Vorhaben, mir den Beutel von ganz Wiesenhof signieren zu lassen, fiel also leider ins Wasser.

Irgendwann kam Lars wieder heraus, und ich bat ihn höflichst um ein Signum auf meinem Fressbeutel. Weniger höflich waren mal wieder Kevins Anweisungen: „Lachen! Lars auch!“ Auf „Küsschen!“ reagierte Lars mit „Das muss reichen“… wofür ich sehr dankbar bin, denn allzu peinlich möchte ich mich bei Wiesenhof nicht aufführen. Bin ja quasi Lokalfan.




Lars signiert das Care-Paket von Wiesenhof



Die Braunschweiger mussten dann leider schon los, und auch die meisten anderen verabschiedeten sich – sodass nur noch Sandra, Katrin, Bernie, Kevin und ich übrig blieben. Wir begaben uns zum Bahnhof und kamen da dann ohne Sandra an. Währenddessen war ich endlich endlich mal nicht die einzige die Wörter wie „dreiviertel“ und „hinzu/rückzu“ gebraucht. Das war sehr entspannend, danke Bernie!

Wir wollten noch etwas trinken und kehrten zu diesem zweck bei Burger King ein. ich trank einen Bananen-Milchshake, Kevin trank Pommes. Ich wurde darüber aufgeklärt, welche „Herr der Ringe“-Übersetzung die beste ist, dass Florian Rousseau schon seit einiger Zeit immer mal im Fernsehen zu sehen ist und bekam noch mehr Interessantes zu hören. Es geht also auch ohne Tippspiele…

Der Rest war relativ unspektakulär, man brachte mich zum Zug, winkte und verschwand dann aus meinem Blickfeld. Vier Stunden später war ich in Leipzig, ruhte meine müden Knochen aus und schlüpfte selig ins Bett.

 




"winke winke" auf dem Hauptbahnhof




Diese und weitere Fotos gibt es auf Henrikes Homepage zu sehen...


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