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12/06 2004

Rennen im Regen – Radsport-Topereignisse in Südbayern 2004

von Yeti



Nachdem es letztes Jahr noch so ausgesehen hatte, als würde es im Jahre 04 gar keine Rennen in der näheren Umgebung meiner Heimat geben, so wurde ich Ende der Saison eines besseren belehrt. Die Bayernrundfahrt machte doch tatsächlich im 25. Jahr ihres Bestehens zum ersten Mal in München Station und auch die Deutschlandtour wagte sich ins südbayerische Radsportniemandsland...

 

Ich freute mich ein halbes Jahr wie ein Schneekönig auf den 21.05, auf die dritte Etappe der Bayernrundfahrt, hier, in meinem München...ich nervte meine Umgebung wochenlang damit, erzählte es jedem, ob er es hören wollte oder nicht...ich druckte mir Startlisten, Marschtabelle, Höhenprofile aus, malte die Strecke auf eine Landkarte, kurzum, ich tat alles, was ein großer Fan so tut. Ich war bestens gerüstet für den großen Tag!

 

Am Abend packte ich den Rucksack für einen langen Tag beim Rennen. Nach der Einschreibung und dem Start in München wollte ich nach Bad Aibling fahren zum Ziel...wie gesagt, ich wollte es. Morgens in München war es kalt, es regnete und stürmte. Aber ich gab die Hoffnung auf einen schönen Radsporttag nicht auf, letztes Jahr hatte ich schließlich bei allen Rennen, die ich besuchte, schönes Wetter.

 

Also machte ich mich morgens mit der U-Bahn auf zur Theresienwiese. Ich war mal wieder sehr früh dran, außer mir vielleicht noch 10,15 Fans anwesend. Während der Einschreibung bekamen wir dann fast nur Reden von Politikern und Sponsoren vorgesetzt, was mich schon ziemlich nervte...es begann auch wieder leicht zu tröpfeln...bange Blicke zum grauen Himmel meinerseits..

Es wurde zwar langsam recht voll an der Strecke aber auch der Regen wurde immer mehr.

 

Als der Startschuss ertönte, schüttete es...

 

Ich hatte keinen Bock, klatschnass zu werden und fuhr ernüchtert nach Hause statt nach Aibling. So lange hatte ich mich gefreut und nun war ich so bitterlich enttäuscht von der ganzen Sache...

 

Um das zu verdauen brauchte ich eine Weile und hatte auch kein Interesse am Radsport mehr für eine gewissen Zeit. Ich wollte keine Leute sehen, die bei gutem Wetter ein Rennen verfolgen konnten. Somit schaute mir auch den Giro nicht an.

 



Eine neue Chance

 

Die Zeit verging, es wurde Juni und es stand das nächste Radsportereignis in der Region Südostbayern an...die Deutschlandtour würde sich auf der vierten Etappe die Ehre geben und von Bad Tölz nach Landshut fahren...als ich erstmals davon gehört hatte, war ich noch Feuer und Flamme gewesen, aber mittlerweile wollte keine so rechte Begeisterung bei mir mehr aufkommen...ich wollte nicht schon wieder so enttäuscht werden wie im Mai. Letztes Jahr war das Wetter immer so super gewesen und heuer regnete es nur...

 

Trotzdem kaufte ich mir ein Ticket für die Fahrt nach Tölz und Landshut. Am Abend in der Wettervorhersage sprach man wieder von Regen für den nächsten Tag; ich packte nicht nur einen Schirm ein, sondern auch meine Regenhose, die ich zum ersten Mal seit dem Segelurlaub in den Niederlanden wieder anfasste. Hoffentlich würde ich sie nicht brauchen...

 

Am Morgen war es kalt, sehr kalt und ich packte nur eine Flasche Apfelschorle ein, die andere ersetzte ich durch eine Kanne mit heißem, süßem Tee...letztes Jahr hatte ich noch immer überlegt, was ich anziehe, damit ich keinen Sonnenstich bekomme, diesmal dachte ich darüber nach, wie sich Nässe und Kälte am besten umgehen lassen würden...ich zog meine Turnschuhe an...im Nachhinein musste ich feststellen das Gummistiefel das richtige gewesen wären...



And the rain ist falling down on me...

Auf dem Weg zur Bushaltestelle tröpfelte es, am Hauptbahnhof regnete es schon recht heftig und ich musste noch eine ganze Weile auf den Zug der Bayrischen Oberlandbahn nach Tölz warten. Als er endlich kam, stieg ich sofort ein und war froh, der Kälte und Nässe entronnen zu sein...

 

Eine gute halbe Stunde später, kurz hinter Holzkirchen, schüttete es wie aus Eimern...immer noch im warmen Zug sitzend, zog ich meine Regenhose an.. In Tölz angekommen machte ich mich auf den Weg zur Marktstraße bzw. Isarbrücke. Der Regen wurde immer mehr, ich spannte meinen Schirm auf um den Regen von meinem Rucksack abzuhalten...

 

Dort angekommen war kaum ein Mensch zu sehen, bei dem Wetter würde man normalerweise auch keinen Hund vor die Tür jagen. Ich fand einen Platz gegenüber der Bühne, wo um 10 Uhr die Einschreibung stattfinden sollte. Es war kurz nach neun, also würde ich noch eine gute Stunde warten müssen. Dachte ich wenigstens...Zur Hälfte unter einem großen Edeka-Schirm stehend, harrte ich der Dinge und redete ein bisschen mit den Leuten neben mir...Inzwischen regnete es nicht mehr – es goss wie aus Kübeln, es war die reinste Sintflut über die wunderschöne Stadt Bad Tölz hereingebrochen...die Kulisse der historischen Marktstraße hätte eine der schönsten der Radsportsaison werden können, aber der Himmel weinte an jenem Tag im Juni, der Radsportgott hatte kein Einsehen mit uns...

 

Sämtliche Schirme nutzten nichts mehr, meine Schuhe waren total durchnässt, auch meine Hosenbeine und mein Pulli begannen feucht zu werden...meine eiskalten Hände färbten sich rot. Irgendwann spürte ich die Kälte dann nicht mehr...

 

Die Organisatoren bauten im strömenden Regen die Bühne auf, sie standen im T-Shirt in der Sintflut...alle paar Minuten schoben sie mit einem Besen das Wasser von der Bühne und hoben die Markise darüber an, um die Wassermassen von ihr herunter zu bekommen....es waren jedes Mal wahre Sturzbäche die da herunterkamen.

 

Als es auf 10 Uhr zuging und keine Fahrer zur Einschreibung kamen, wurden die Zuschauer etwas mürrisch. Einerseits verstand ich die Fahrer ja, sie hatten eine lange Etappe vor sich und wollten nicht schon jetzt nass werden, andererseits warteten wir schon über eine Stunde im Regen und wollten endlich was sehen.

 

Die Videos an der Leinwand hatten wir dann alle schon ca. 10 Mal gesehen, die Lieder alle mehrmals gehört und es tat sich nichts...wie schön warm und trocken wäre es jetzt daheim, das dachte ich nicht nur einmal...

 

Es wurde 11 Uhr und endlich kamen die ersten zwei, und zwar Ulle und Steini. Jan sieht sehr gut aus, schlank und fit. Die zwei blieben aber leider bis ca. halb 12 die einzigen.....mir war es so verdammt kalt, besonders in den klatschnassen Schuhen...dann kam die Werbekarawane und verteilte ihre Geschenke. Ich wollte ein Päckchen von dem Milchgetränk haben, erwischte aber keins...meine Laune sank weiter. Auf dem endgültigen Tiefpunkt war sie dann angelangt, als diese grausamen Ratschen verteilt wurden.

 

Die Fahrer kamen zwar nun alle und die Organisation drängte bei der Einschreibung, da der Start um 11.45 Uhr sein sollte, Karsten Migels stellte die Fahrer vor und machte Interviews, aber leider verstand man rein gar nix wegen dem Lärm dieser Ratschen......aaaaaaahhhhhhh!

 

Ich werde beim Bayrischen Landtag eine Petition einreichen zur Ächtung dieser Dinger. Da kriegt man ja Ohrenkrebs von! Der Regen hörte nicht auf und vor lauter Schirmen um mich rum sah ich rein gar nix mehr. Es ging auf dreiviertel 12 zu und die Fahrer begaben sich in die Startaufstellung. Einige verharrten noch immer unter Schirmen und Vorbauten um dem Regen zu entkommen. Schließlich ertönte aber der Startschuss und der bunte Tross setzte sich in Bewegung...



Von Bussen und Seppeln

Ich mich auch und zwar zum Bahnhof, um zuerst zurück nach München und dann nach Landshut zu fahren. Am Bahnhof angekommen legte ich erst mal meine persönliche Verpflegungskontrolle ein und aß einige Süßigkeiten um wieder etwas Wärme in mich zu bekommen. Der warme, süße Tee mit dem herrlichen Vanillegeschmack wirkte hierfür auch wahre Wunder!

 

Um halb eins schließlich saß ich wieder warm und zumindest ein bisschen trockener im modernen Integraldieselzug nach München, um halb zwei war ich zurück am Münchner Hauptbahnhof. In 20 Minuten würde es weitergehen nach Landshut – dachte ich wenigstens. Der Zug stand zwar schon auf Gleis 21 und einen schönen Platz im Warmen fand ich auch, aber abgefahren ist das Ding erst mit 20 Minuten Verspätung...meine Laune sank wieder.

 

Um 13:47 Uhr sollte es in München weitergehen, halb drei wäre ich damit in der Hauptstadt Niederbayerns. Um 14 Uhr setzte sich der Regionalexpress dann doch noch in Bewegung.

 

Kurz vor drei stand ich am Bahnhofsvorplatz – und oh Wunder – es regnete fast nicht mehr!!!!!!

 

Dort befand sich auch gleich der Busbahnhof und anlässlich der Deutschlandtour fuhren alle städtischen Busse heute kostenlos! Eine sehr schöne Sache, die meine Laune wieder ein bisschen besserte. Nach zweimaligem Nachfragen wusste ich dann auch, welcher der Busse zum Ziel auf der Grieserwiese fahren würde. Im Bus selbst wurde mir dann noch der Weg erklärt und so fand ich auch problemlos hin. Von der Haltestelle aus waren es nur ein paar Meter eine Straße hinunter und ich stand inmitten des Ziels.

 

Zuerst schaute ich kurz zur Videowand der ARD um mir einen Überblick übers Renngeschehen zu verschaffen. Was ich da sah, freute mich sehr. Eine Ausreißergruppe vorn, mit „meinem Sonneberger“ Seppel Lang und zwei Rabos. Sehr schön. Schließlich wurde mir aber das Gesabbel zu viel und ich drehte eine Runde durch den Jahrmarkt, anders lässt sich das Treiben nicht beschrieben. Als ich dann genügend Pommesbuden, Bierstände, Trikotverkäufer und Rennräder gesehen hatte, suchte ich mir einen Platz an der Strecke. Leider fand ich nur noch einen ca. 300 m hinter dem Ziel...und kaum zu glauben, es tröpfelte nur noch ganz leicht!

 

LinaM informierte mich per SMS wie das Rennen stand und als die „Caravane publicitaire“ in LA durchfuhr bekam ich sogar eins dieser Milchgetränke zu fassen! Zum Leidwesen meiner Ohren wurden auch wieder diese Ratschen verteilt. (.......) <= zensiert!



Wo ist denn "der Jan" ?

Inzwischen war die Ausreißergruppe eingeholt und ich hoffe bei dem Massensprint, den es nun wohl geben würde auf die hellblauen Schlümpfe bzw. Danilo Hondo.

Neben mir eine Frau in Timo Beil-Trikot und durchsichtiger rosa Regenjacke fragte alles und jeden, ob man heute schon „den Jan“ gesehen habe...wohlgemerkt, vor dem Eintreffen des Feldes...ich sagte zu ihrer Beruhigung das ich ihn am Morgen in Tölz gesehen hatte.

 

Dann ging alles ganz schnell. Erst kamen die Betreuer vieler Teams und verteilten sich vor unseren Nasen, dann brauste die Polizei durch, der Fernsehhubschrauber kreiste am Himmel.

 

Kurze Zeit später kamen die Fahrer selber an uns vorbei. Leider gab es hinter dem Ziel keine Lautsprecher mehr, so das ich nicht mitbekam, wer gewonnen hatte. Ich habe selten so erschöpfte Fahrer gesehen, die armen  Kerle waren total verdreckt, durchnässt und erschöpft. Da auch ich zum Teil noch nicht getrocknet war, fühlte ich so richtig mit den Renners mit...

 

Einige Zeit später kam ein Crédit Agricole-Fahrer an uns vorbei, ein Betreuer hatte ihn im Arm und die beiden sahen sehr zufrieden aus. Eine SMS später wusste ich dann Lina dann auch, das meine Vermutung richtig war. Sebastien Hinault war der Sieger.

 

Sehr schön, ich freute mich. Es ist doch immer wieder schön, einen Sieg seines Lieblingsteams live vor Ort zu erleben.

 

Da ich noch ein bisserl Zeit hatte, bis mein Zug nach München fuhr, drehte ich noch eine Runde im Fahrerlager. Vor dem Timo Beil-Bus eine riesiger Traube von Menschen, bei den andren Teams kein Mensch. Die ZVVZ-Fahrer blieben total unbehelligt, ebenso wollte niemand was von Liberty Seguros. Die liegen jetzt übrigens in meiner persönlichen Rangliste der schönsten Trikots ganz vorn!!!

 

Um vier Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Bushaltestelle, als mir plötzlich Danilo Hondo entgehen kam, noch im Trikot des besten Sprinters.

Am Bahnhof angekommen, musste ich dann feststellen, das genau zwei Minuten vorher ein Zug nach München weggefahren war.....



Nach Hause und Fazit

Um fünf ging dann einer nach Freising, von dort aus fuhr ich mit der S-Bahn heim.

Daheim angekommen ging ich erst mal daran, meine Kleidung und meinen Rucksack zu trocknen und mich selber wieder aufzuwärmen.

Alles in allem war es ein schöner, wenn auch sehr sehr nasser Tag beim Radrennen.

 

Was mir überhaupt nicht gefällt, ist allerdings die Tatsache das die D-Tour versucht, die TdF zu kopieren. Was brauchen wir ein „Village du Tour“, warum muss das Bergtrikot so sein wie bei der „Grand Boucle“?

Die TdF ist für mich etwas mythisches, etwas ganz besonderes, das man nicht kopieren kann und sollte. Wenn die Deutschlandtour sich wirklich etablieren will, muss sie eigenständig werden, ein eigenes Profil entwickeln!!!


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