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Wiesbauertour 2004 – Salzburg im Sonnenschein

Starmania und ein Autogramm auf der Bierdose (Autorin: Yeti)



Nach der Bekanntgabe der „Rennstrecken“ für die Saison 2004 stand eines fest:

Für im südlichen Bayern beheimatete Fans der rasierten Waden sollte es ein gutes Jahr werden. Die Bayernrundfahrt und die Deutschlandtour machten im Freistaat Station.

Nachdem ich beide Rennen besucht hatte, war ich nicht nur total durchnässt, sondern hatte auch für eine Weile erst mal die Schnauze voll von Radrennen. Zuviel Wasser von oben, zu viele Ratschen um mich rum, kurz gesagt, mir reichte es.

 

Doch es gibt ja nicht nur in Deutschland Rennen, sondern auch im benachbarten Ausland. Das von mir aus am schnellsten zu erreichende Ausland nennt sich Österreich. Und dieses schöne Land verfügt auch noch über ein schönes Rennen mit dem klangvollen Namen Wiesbauertour. Schon letztes Jahr war ich bei der Auftaktetappe „Rund um Salzburg“ gewesen und es hatte mir sehr gut gefallen. Alles etwas kleiner, familiärer und überschaubarer als in Deutschland. Und es hatte auch ein schönes kleines internationales Usertreffen gegeben, mit Kuchenessen im Park von Schloss Mirabell. Die Aussicht auf dieses Rennen ließ meine Laune wieder steigen und ich fuhr am Morgen des 07.06.2004 von München-Ost Richtung Südosten. Und oh Wunder, der Himmel über unserm Freistaat war blau, die Sonne lachte vom Himmel und es war heiß. Schon die Fahrt war wunderschön, als ich die Chiemgauer Berge vor mir sah, konnte es mir nicht besser gehen. Kann es eine schönere Landschaft geben???



Ein bedeutender Sohn einer südwestfinnischen Stadt


In Salzburg angekommen machte ich mich gleich auf den Weg zum Schloss, wo die Einschreibung bereits in vollem Gange war. Diesmal war weniger los als noch im Vorjahr und ich bekam einen schönen Platz ganz vorn. Die Fahrer vom Team Relax-Bodysol waren als nächstes dran und vertreiben sich die Wartezeit mit rumalbern. Niels Scheuneman und Nico Mattan taten so, als würden sie sich anspucken und schubsen (kopfschüttel...) ich meine, okay, Niels ist erst 20 aber Nico....der wird doch keinen schlechten Einfluss auf seinen jungen, hoffnungsvollen Teamkollegen haben? Hätte Nielsje doch lieber noch ein Jahr länger in der Obhut der kleinen Rabos bleiben sollen? Fragen über Fragen morgens in der brennenden Sonne der Salzachstadt....

 

Nico Mattan wird auf der Bühne kurz interviewt, der Sprecher kann offenbar sämtliche Sprachen Europas....

 

Als nächstes sind dann die kleinen Rabos dran und ich zücke meinen Fotoapparat um einen der bedeutendsten Söhne der südwestfinnischen Stadt Tampere im Bilde festzuhalten. Nun braucht es auf der Bühne keine Fremdsprachen, Bernhard Kohl hat hier ein Heimspiel. Er wird gefragt, welche Taktik das Team verfolgt und „Bartje“ meint, man wolle im Sprint etwas für einen Fahrer versuchen, der nicht unbedingt aus einen Radsportland kommt. Es sei Jukka Vastaranta, sein Mannschaftskamerad aus Finnland. Jukka hebt die Arme und lacht in die Menge...solch einen Gefühlsausbruch hatte ich lange nicht bei einem Sportler aus dem Land der 187.888 Seen erlebt...

 

 



Einzug der Teams

Ein Team nach dem anderen kommt, Lamonta, T-Mobile, die Magentaradler wirken auf der Bühne sehr reserviert! Hier wird Cadel Evans kurz befragt, bei Lotto-Domo darf Leon Van Bon ein paar Sätze loswerden. Beim Team Landbouwkrediet meint der Sprecher, Österreich sei offenbar ein gutes Pflaster für Tom Steels, er habe ja schließlich die letztes Etappe der Rundfahrt 03 gewonnen. Er (der Sprecher) tippe auf einen Steels-Sieg am heutigen Tage.

 

Schließlich waren fast alle Teams da, Domina Vacanze fehlt noch, ebenso wie Saeco. Die Fahrer im Zebra-Dress verteilen sich erst mal auf die Stühle, die vor der Bühne stehen und quatschen drauflos. Der Sprecher wünscht ihnen zum Abschied „Buon viaggio“, was bei den Radlern zu Heiterkeit und verstärkten Diskussionen führt. Worüber kann ich mangels Sprachkenntnissen leider nicht sagen.

Schließlich kommt Saeco mit dem zweifachen Rundfahrtsieger und Titelverteidiger Gerrit Glomser. Nun kommt richtig Stimmung auf, Gerrit hat in seiner Heimatstadt ein Heimspiel! Als letzter Fahrer des „Espresso Rosso“ hetzt Andrea Tonti hinzu, lehnt sein Rad an die Absperrung und wetzt auf die Bühne. Obwohl ich nicht wirklich Ahnung von Technik habe, betrachte ich mir die Räder einmal genauer, so was ist ja doch immer interessant.

 

Nachdem auch Gerrit Glomser und Andreas Matzbacher interviewt sind, ist die Einschreibung beendet und ich will mir gerade ein schönes Plätzchen an der Strecke suchen als erneut die Stimme von der Bühne ertönt. Die Siegerin der österreichischen Variante „Deutschland sucht die größte Nervensäge äähh den Superstar“ wird angekündigt. Verena so wurde uns gesagt, würde gleich auftreten. Ich suche nach der schnellsten Fluchtmöglichkeit.

Während ich noch am Grübeln bin wie ich dem entkommen könnte, löst sich das Problem von selbst – genauer gesagt ein Verkehrsstau in dem die große Künstlerin steckt (zumindest bis auf weiteres).

 



Kaffee hätte man gratis bekommen können



Ich bin danach um ein Wiesbauerkapperl, eine Wiesbauer-Dauerwurst, zwei Zeitungen, drei aufblasbaren Schläuchen der Kronenzeitung zum Anfeuern und an die Bande-Hauen sowie eine Wiesbauerfahne reicher. Nur ein Saecokapperl, das bekomme ich leider nicht!

Einige Meter vor dem Startbogen ist noch was frei und ich mache mich breit. Viele Fahrer aus Belgien sind diesmal dabei und die quatschen drauflos, was das Zeug hält. Tom Vannoppen greift sich eine seiner Flaschen und trinkt noch was vor dem Start. Natürlich kann er auch während er dieselbe zurückstecken will, seinen Schnabel nicht halten, geschweige denn hinsehen, was er gerade tut und so braucht er ewig, bis er die Flasche wieder im Halter verstaut hat! Natürlich wird auch dies wieder lautstark kommentiert von seinen Kollegen aus den BeNeLux-Ländern.

 

Währenddessen wird alle paar Minuten in mehreren Sprachen verkündet, wie lange es noch zum Start sei. Dann werden die Ehrengäste begrüßt, auch die Gendarmerie und die Polizei fehlen diesmal nicht, ebenso nicht der Hubschrauber des Innenministeriums, der über unseren Köpfen kreist.

 

Wie immer bei einem Radrennen ziert das weiß-blaue Nürnberger-Käppi meinen Kopf. Plötzlich zupft mich wer am Rucksack, es ist Novalis, der noch von einem Studienkollegen namens Jürgen begleitet wird. Jetzt sind wir zu dritt und so macht es gleich mehr Spaß. Damit es einem bis zum Start nicht langweilig wird, geht es nun ans Souvenir verteilen. Ich bin danach um ein Wiesbauerkapperl, eine Wiesbauer-Dauerwurst, zwei Zeitungen, drei aufblasbaren Schläuchen der Kronenzeitung zum Anfeuern und an die Bande-Hauen sowie eine Wiesbauerfahne reicher. Nur ein Saecokapperl, das bekomme ich leider nicht!

 

Kaffee hätte man ebenfalls gratis bekommen können, aber bei der Hitze steht uns der Sinn nicht danach.

 

Schließlich erfolgt der Start und der große bunte Tross der Fahrer, Begleitfahrzeuge, Polizei, Gendarmerie, Krankenwagen und nicht zu vergessen der Hubschrauber des Innenministeriums setzt sich in Bewegung. Wir uns auch, und zwar in den Schatten. Zuerst ein paar Meter die Rennstrecke entlang, dann in den Schlosspark. Dort gibt es einen Brunnen mit einer Figur drin und unter der Figur schwimmt im Schatten eine Ente. Kluges Tier.

 



Warum Ex-Profis lieber nicht singen sollten



Wer wissen will, was wir in diesem Moment dachten, der lese bitte in einem Asterix-Band nach, wie dort stets mit dem Dorfbarden Troubadix verfahren wird.

Wir haben eine gute Stunde Zeit, bis die Fahrer zur ersten Zieldurchfahrt wieder vorbeikommen würden und die wurde mit Ratschen verbracht. Zur ersten Zieldurchfahrt gibt es dann eine vierköpfige Ausreißergruppe, darin vertreten u.a. Hummi! Für uns war klar, wen wir ab nun anfeuerten! Go Hummi go!!!!!!!

 

Der Kommentar des Streckensprechers über das Hauptfeld war etwas irreführend. Er meinte, dies würde sehr schnell fahren und sich über die gesamte Fahrbahnbreite verteilen. Ja was denn nun????????

 

Einige Minuten später kamen sie an uns vorbei, tatsächlich über die ganze Straßenbreite verteilt und fröhlich quatschend. In der letzten Reihe fuhr HPO, welcher sich in einer angeregten Unterhaltung mit einem Volksbänker befand.

Wir überlegten, wie die Stunde bis zur zweiten Zieldurchfahrt rumzukriegen wäre. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten des Stieglgastgartens, der uns schon letztes Jahr Schatten und Erfrischung gespendet hatte. Während wir dort saßen, verging die Zeit mit ratschen wie im Fluge. Schon hörten wir wieder die Sirenen der Gendarmerie, der Polizei und nicht zu vergessen – den Hubschrauber des Innenministeriums! Die Vier sind immer noch vorn und der Vorsprung wird größer und größer. Über acht Minuten sind es schließlich und noch 74 km zu fahren. Wir fangen an zu spekulieren, ob die alte Faustregel „1 km pro 10 Minuten“ diesmal auch greift und drücken Hummi weiterhin fest die Daumen. Alle Gäste der Wirtschaft haben ihre Plätze verlassen und stehen an der Straße um die Radler anzufeuern. Sogar einer der Ober schaut zu.

 

Als das Feld vorbei ist, zahlen wir und machen uns auf dem Weg zurück zum Ziel. Es ist brütend heiß, in der Sonne hält man es keine 10 Minuten aus...und nicht nur die Sonne quält uns, nein, auch Verenas Stimme dringt nun an unsere Ohren. Wir sind uns nicht mehr sicher, was schlimmer ist. Und als ob das nicht genug wäre, greift nun auch noch der Ex-Profi Harald Blüml zum Mikro und gibt die „Hymne“ der Wiesbauertour zum Besten.

Wer wissen will, was wir in diesem Moment dachten, der lese bitte in einem Asterix-Band nach, wie dort stets mit dem Dorfbarden Troubadix verfahren wird. Leider fanden wir kein Seil, Bäume hätte es im Park vom Schloss genug gegeben....

 



Massensprint

Wir holen uns nun auch ein wenig Verpflegung und suchen uns dann ein Plätzchen an der Strecke für die dritte Zieldurchfahrt. Immer noch sind die vier vorne und wir hoffen weiter auf einen Hummi-Volksbank-Triumph in der Mozartstadt, doch das Feld macht nun Tempo. Nichts ist’s mehr mit ratschen, diesmal braust eine langgezogene bunte Reihe in schneller Fahrt an uns vorbei.

Immer näher rückte die letzte und entscheidende Zieldurchfahrt. Wir standen einige Meter von der Strecke entfernt und waren damit beschäftigt, die Dehydrierung in Grenzen zu halten. Aus den Lautsprechern tönte es, noch ca. 20 km zu fahren. Daraufhin suchten wir uns wieder in Plätzchen an der Strecke und warteten auf die Fahrer. Schließlich hieß es, die Spitzenreiter seien eingeholt worden, 3000 m vor dem Ziel. Schade, wir hätten Hummi den Sieg gegönnt!

Es sah also alles nach einem Massensprint aus. Würde Tom Steels die Prognose des Sprechers wahr machen und tatsächlich gewinnen? Leider war unser Platz nicht gerade der beste und so sahen wir nicht so ganz deutlich wer gewonnen hatte, vermuteten aber Steels. Dies stellte sich dann auch als richtig heraus.

Auf zur andren Straßenseite und zur Siegerehrung. Tom Steels hatte gewonnen, vor Gorik Gardeyn und Michel Van Haecke. Das Bergtrikot ging an Stefan Rucker, das rote Sprinttrikot an Pascal Hungerbühler. Das weiße Punktetrikot bekam Tom Steels, ebenso wie das gelbe des Gesamtführenden. Das schöne blaue Trikot für den besten einheimischen Fahrer ging an Gerrit Glomser. Die Siegerehrung zögerte sich aber sehr lang hinaus, da Gorik Gardeyn nicht erschien. Schließlich wurde die Zeremonie ohne ihn durchgezogen.

 



Radler vs Bier - Eine Sichtweise

„Ach der Klane mit dem depperten Gsicht!“

„Ach der Klane mit dem depperten Gsicht!“

Als auch das vorbei war, lichteten sich die Reihen der Fans und wir wollten noch ein paar Autogramme haben. Dabei kam es zu einer peinlichen Situation: Ich zeigte Novalis und Jürgen meine Autogramme vom Skispringen. Bei einem meinte Novalis: „Ach der Klane mit dem depperten Gsicht!“ In dem Moment ging Stefan Rucker an uns vorbei und drehte sich auch noch um..............wir sind dann nicht mehr zu ihm hin........

Schließlich sichteten wir Werner „Ribi“ Riebenbauer, der auch sofort bereitwillig unterschrieb. Danach war außer uns fast keiner mehr da. Nun ja, Gerrit Glomser war noch da. Aber außer uns wollte niemand was von ihm. Da er sich gerade mit einer Bekannten unterhielt standen wir daneben, wollten ja nicht stören. Einige Minuten später kam ein Mann mit zwei Bierdosen an und wollte den Radler zum trinken überreden. Gerrit lehnte ab, gab dem Mann aber ein Autogramm auf die Bierdose!!! Uns anschließend auch noch, ins Autogrammbuch, nicht auf eine Getränkedose.

Danach saß er mit einigen Bekannten zusammen vor der Siegerehrungsbühne, völlig unbehelligt.

Wir machten uns auf den Weg in die Stadt, vorbei an den Trucks und Autos der Teams, dem Wohnwagen für die Dopingkontrolle. Die Rabos hatten ein richtig großes Zelt dabei, auch ein Wohnwagen fehlte nicht (kann es bei einem Team aus NL eigentlich anders sein???????)

So ging ein langer, ganz toller Tag bei einem Radrennen langsam zu Ende....

Um viertel nach sechs ging mein Zug zurück nach München, um acht war ich in München-Ost, um halb neun daheim.

Wiesbauertour – ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wiederkommen!!!!!!!!!!


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