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15/05 2005

Helden des Monats April



Ein Held zur Zeit: Danilo di Luca



© cyclingimages.com
Danilo di Luca: Mann der Stunde


Danilo di Luca bezeichnete das Jahr 2004 als das schlechteste seine Karriere. Nach der Saison verließ er Saeco und wechselte die Fronten, nahm die Saison 2005 in der neu gegründeten Liquigas-Bianchi Mannschaft in Angriff. Als einer von vielen Kapitänen (neben u.a. Stefano Garzelli, Dario Cioni oder Magnus Bäckstedt) im Team fand er dort zu alter Leistungsstärke zurück. Dies zeigte er bereits eindrucksvoll in dem er bei der Baskenlandrundfahrt das abschließende Einzelzeitfahren (ich kann mich nicht daran erinnern, wann Di Luca zum letzten Mal ein EZF gewonnen hat) und damit die Gesamtwertung für sich entschied. Dadurch übernahm er auch erstmals die Spitze in der Protour-Gesamtwertung. Doch damit nicht genug: Anschließend gewann er nicht nur das Amstel Gold Race, sondern auch den Flèche Wallone und verteidigte somit das weiße Leader-Trikot der Protour-Gesamtwertung erfolgreich. Zudem hat er gute Chancen das Leader-Trikot noch lange tragen zu dürfen und vielleicht sogar der erste Sieger der Protour-Gesamtwertung zu werden. Vai, Danilo!



Ein zweiter Held zur Zeit: Tom Boonen



© peloton-pictures.com
So sehen Sieger aus...


Für den Titel des April-Helden hat sich niemand geringeres als Tom Boonen qualifiziert. Die Frage nach dem warum verbietet sich für jeden, der auch nur einen Funken Radsport im Herzen trägt. Die Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix sind wohl die beiden prestigeträchtigsten Klassiker des Radsports. Beide in einem Jahr zu gewinnen ist nur ganz wenigen vergönnt – wenn man dabei gerade 24 Lenzen zählt, macht es diesen Triumph noch einzigartiger. Diese Siege verdienen noch größere Anerkennung, betrachtet man die Art und Weise ihres Zustandekommens. Bei der Flandern-Rundfahrt überraschte mich Boonen noch mit dieser Selbstverständlichkeit, mit der er in der Gruppe ganz klar die Verantwortung übernahm. Dann verwandelte er die letzten neun Kilometer noch in eine wahre Demonstration physischer Brillanz, indem er den anderen ganz einfach auf und davon fuhr, obwohl er auch in einem etwaigen Sprint der eindeutige Favorit gewesen wäre.

Eine Woche später dann in Roubaix musste er mit der Bürde des absoluten Top-Favoriten leben. Was andere vielleicht eingeschüchtert oder übermotiviert hätte, nahm er ohne mit dem Wimper zu zucken an und ließ sich nicht von seinem Plan abbringen. Er hatte das Geschehen in der Spitzengruppe jederzeit unter Kontrolle und brachte im Velodrom zu Roubaix seine Leistung fabelhaft zu Ende.

Es besteht kein Zweifel, dieser junge Mann wird in der nächsten Dekade einer der prägenden Radsportler sein und noch unglaublich viele Siege erringen, vorrausgesetzt ihn stoppt keine Verletzung oder höhere Gewalt.



Deutschsprachiger Held: Stefan Schumacher



© peloton-pictures.com
Stefan Schumacher:
Wenige Haare, viele Erfolge

Nein, an dieser Stelle wird jetzt keine Parallele zwischen Michael, Ralf und Stefan Schumacher gezogen. Obwohl es sich wunderbar anbietet und deshalb schon hundertfach von Journalisten praktiziert wurde. Außerdem wollen wir auch nicht schon wieder darauf rumreiten, dass sich Walter Godefroot wahrscheinlich jeden Abend in den Allerwertesten beißt, weil er Stefan Schumacher aus dem T-Mob gekegelt hat. Obwohl wir sicher sind, dass Walter es täglich mit schmerz- verzerrtem Gesicht tut. Vielmehr wollen wir an dieser Stelle betonen, dass Stefan Schumacher es ohne Ralf, Michael und Walter geschafft hat, die Nieder- sachsen-Rundfahrt zu gewinnen, 2. bei Hel van het Mergelland, 15. beim Amstel und 9. bei Veenendaal-Veenendaal zu werden. Nur, um mal einige seiner guten April-Ergebnisse zu nennen. Und auch im European Continental Ranking macht

er sich auch Platz 2 breit. Da könnte man glatt vergessen, dass er gerade mal 23 Jahre alt ist – was wohl irgendwie an den wenigen Haaren liegt...



Sonderkategorie: "Von der Herde verstoßener..."



© velo-photos.com
Eingefangen - ausnahmsweise:
Jens Voigt

Wer könnte mit dieser Kategorie geehrt werden, die aufrechten Märtyrer, die wie ein Häufchen Elend als schwarze Schaufe aus der Hai-Society der ehrenvollen Radsport-Zunft verwiesen wurden?

Die haben eventuell Mitleid verdient, aber andererseits wussten sie nicht immer wie der Sport läuft und überhaupt, dieses Thema erscheint bereits jetzt als Spitzenkandidat für die Juli-Helden. Außerdem sollen hier ja auch freudige Ereignisse im Radsport-Zirkus thematisiert werden. Als eben solches können wir getrost das Phänomen "Jens Voigt" bezeichnen. Was er alleine im April wieder geleistet hat, davon träumen Unmengen von Profis, gelänge ihnen sowas auch nur in einem ganzen Jahr.

Da ist zunächst die famose Solofahrt auf der fünften Etappe im Baskenland zu nennen, die er locker-flockig abgeschossen hat. Beim Wallonischen Pfeil schickte er sich dann an, einen Heroen, der letztlich in bester Stürmer und Dränger Tradition tragisch und publikumsträchtig scheitert, in Perfektion zu verkörpern. Nur wenige Tage später, auf dem Weg von Lüttich über Bastogne zurück nach Lüttich, war er dann erneut so angriffslustig wie ein junger Gott. Weil er mit Vinokourov einen ähnlichen wilden Hund als Kompagnon finden konnte, gelang es ihm, dem Rest bis zum Finale zu entkommen. Dort liess er sich von Vino erst auf der Ziellinie niederringen, doch eigentlich alle sahen in ihm den "moralischen Sieger". Chapeau!



Sonderkategorie: Rücktritt des Monats




Mario Cipollini – ein Mann der Extreme und Überraschungen, daran hat auch die für seine Verhältnisse schlichte Rücktrittsmitteilung Ende April nichts geändert. Zu einem Zeitpunkt, als die ganze Radsportwelt mit seiner Teilnahme am 88. Giro d’Italia rechnete, sagte Mario „Basta“ und schockte damit nicht nur die italienische Radsportwelt. Zwei Siege gegen Tom Boonen und Alessandro Petacchi hatte Mario Cipollini 2005 für seine neue Mannschaft Liquigas-Bianchi eingefahren, trotzdem verkündete er, dass er nicht mehr wettbewerbsfähig sei und er erkannt habe, dass seine Zeit als Radprofi abgelaufen sei. Obwohl er den Zenit seiner Karriere bereits überschritten hatte, hat er für seinen Rücktritt einen Zeitpunkt gewählt, zu dem die Leute noch sagen: „Schade“! Fehlen wird der Radsportwelt aber nicht der Top-Sprinter – da hat er bereits seit einiger Zeit in Alessandro Petacchi einen würdigen Nachfolger gefunden -, sondern der Showman, der durch Charisma, Modebewusstsein und Eloquenz zu faszinieren wusste. Arrivederci, Mario!



Sonderkategorie: Schlechter Mitte-April-Scherz

207 Kilometer war es eines der besten und spannendsten Gent-Wevelgem der letzten 15 Jahre. Aufregend auch der letzte, der 208. Kilometer, doch selten zuvor waren sich die Radsportfans vor dem Bildschirm so einig wie in diesen Sekunden: „Ich fass es nicht! Das kann ja wohl nicht angehen!“. Grund: Juan Antonio Flecha lancierte drei Kilometer vor Schluss eine Attacke aus der Verfolgergruppe des führenden Nico Mattan, setzte sich ab, holte den Belgier ein und ließ ihn stehen. Das Rennen schien gelaufen, der stärkste Mann des Tages zu gewinnen. Doch Mattan kämpfte verbissen, behielt den Abstand bei und holte danach häppchenweise Meter um Meter auf. Die Differenz war dennoch überschaubar groß und es waren nur noch 500 Meter zu fahren. Da tauchten plötzlich Begleitfahrzeuge der Jury und Motorräder direkt vor Mattan auf, so dass sich dieser ohne mit der Wimper zu zucken deren Windschatten schnappte, Tempo aufnahm und 250 Meter vor dem Ziel an Flecha vorbei flog. Sportlich hätte wohl jeder so gehandelt, doch im Nachhinein frech von sich zu geben, „[…]Man sollte jetzt aber nicht sagen, dass ich wegen der Motorräder gewonnen habe. Ich habe gar nicht den Windschatten gesucht", überschreitet die Grenzen des schlechten Geschmacks und wirft einen faden Beigeschmack auf die sehr wohl starke Leistung des Belgiers im gesamten Rennen.



Sonderkategorie: Ganz schlechter April-Scherz...



© peloton-pictures.com
April, April? Offensichtlich nein...




"Silberner Ludo": Muxxmäuschenstill...

... sollte es bei den Öffentlich-Rechtlichen zwischen 15.45 Uhr und 16.00 Uhr in Sachen Paris-Roubaix sein. Während sich EinsMuxx, einer der zahllosen Tochtersender der ARD, um viertel vor vier ins übliche Delirium zurückversetzte, warteten die Radsportfans auf den Beginn der Übertragung in der ARD. Offensichtlich hatte sich auch Hagen Bossdorf gedanklich bereits zur Halbzeitpause verabschiedet, denn unüberhörbar muxxte er im Glauben, sein Mikrofon sei bereits abgeklemmt, mächtig auf, denn justament zum Zeitpunkt der entscheidenden Attacke von Boonens Quicksteppern schliefen die Bossdorf'schen Telekom-Freunde den Dornröschenschlaf. Da konnte selbst der sonst so auf Sachlichkeit getrimmte Bossdorf nicht mehr inne halten: "Ist ja zum Kotzen, dass da keiner mehr mit dabei ist", schnaubte er wutentbrannt ins stumm geglaubte Mikro. Jenes war allerdings lebendiger denn je. Tja, da haben nebst den T-Mobile-Fahrern wohl noch andere geschlafen. Aber pssst - muxxmäuschenstill, sonst wachen sie noch auf...

 



 

Das Held zur Zeit-Team setzte sich im Monat April aus folgenden Schreiberlingen zusammen: abcpflaster, Cyclist, Tourmalet und Sven


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