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mrsflax: "Radsport ist trotz der Dopingproblematik der schönste Sport, weil..."

 

... es dafür mindestens zehn gute Gründe gibt:

 

1) Die Protagonisten keiner anderen Sportart sind derartig kreativ und einfallsreich im Erfinden von stets neuen, mehr oder weniger plausiblen Theorien für das Überschreiten medizinischer Grenzwerte. Diesen Spass sollten wir uns in keinem Fall nehmen lassen.

 

2) Die Halbwertzeit von Ergebnislisten hat sich mittlerweile bei ungefähr drei Stunden eingependelt. Das ist nahezu unübertroffen und macht das Studium derselben so überflüssig wie sinnlos. Ein netter Nebeneffekt.

 

3) "Die Freunde der italienischen Oper" aus "Some like it hot" finden im Radsport eine echte Nische, die ihr Überleben noch auf Jahre hinaus garantiert. In welcher anderen Sportart haben kriminelle Vereinigungen einen derart respektablen Stand? Zudem sollten im Zuge der Globalisierung Tätigkeiten wie Gewalt, Erpressung, Heuchelei, Lüge und Omertà keinesfalls kampflos den sizilianischen Eliten überlassen werden.

 

4) Gleichzeitig ist der Radsport die letzte Bastion der rechtsstaatlichen Ideale der französischen Revolution. Weltweit hat sich wohl keine Organisation mehr um die Unschuldsvermutung verdient gemacht als die UCI.

 

5) Der interessierte Beobachter darf weiterhin gespannt sein, mit welchen Methoden einzelne Fahrer den Gewichtsnachteil durch erhöhtes Blutvolumen zu kompensieren bereit sind. Nach dem Entfernen von Flaschenhaltern und Lenkerband bietet sich doch noch eine Vielzahl von Möglichkeiten durch die Extirpation überflüssiger Körperteile ("Milz? Brauche ich die? Ohren? Schlecht für die Aerodynamik! Und dann auch gleich weg mit Blinddarm und Mandeln!").

 

6) Ohne den Radsport und seine Dopingproblematik wäre das Betätigungsfeld einzelner Soziologen doch sehr eingeschränkt. Er bietet doch immer wieder eine wunderbare Plattform, sich selbst seiner intellektuellen Überlegenheit zu versichern und gleichzeitig fatalistische "TINA" (There is no alternative)-Botschaften unters Volk zu bringen.

 

7) Die fiese Behandlung einzelner deutscher Radhelden ermöglicht es dem Deutschen an sich, sich der Welt ausgiebig in seiner Lieblingspose präsentieren zu können: Der des leidenden und ewig betrogenen Gerechten. Was wären wir ohne das?

 

8) Was wäre mit den TV-Übertragungen? Wie sollten sich bestimmte Kommentatoren ihren dringend benötigten Logopäden weiterhin leisten können? Wären wir auf der Suche nach kulinarischen und kulturellen Geheimtipps nahezu ausschließlich auf "VOX" angewiesen, statt uns die epische Langeweile von Tour-de-France-Flachetappen dadurch vertreiben zu lassen?

 

9) Desweiteren bietet der Radsport seinen "Helden" interessante Alternativen bei der Suche nach eigenem Ich, Heimat und Lizenz. Hat man sich nicht schon immer irgendwie als Argentinier gefühlt? So ganz tief drinnen? Und hatte der letzte Malediven-Urlaub nicht wirklich so etwas von "nach Hause kommen"?

 

10) Nicht zuletzt bliebe da noch ein sehr wichtiger Aspekt: Die Entwicklung wirksamer, neuer Medikamente – beispielsweise für die Krebstherapie. Auf nichts sind die "forschenden Pharmaunternehmen" mehr angewiesen als auf eine ausreichende Zahl williger und vor allem "zu allen Schandtaten bereiter" Probanden. Der stets aufopferungsbereite Radsportler leistet hier einen nicht zu unterschätzenden Beitrag bei der Bekämpfung zahlreicher "Geißeln der Menschheit". Weiter so!


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