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Dopingpraktiken/-praxis, ausgewählte Beispiele





Alex Schwazer

Der italienische Geher Alex Schwazer wurde 2012 wegen EPO-Dopings für 4 Jahre gesperrt. Nach Ablauf seiner Dopingsperre wollte er beweisen, dass er auch ohne Doping gute Leistungen erbringen kann und bereitete sich zusammen mit dem international hoch angesehen Anti-Doping-Experten Sandro Donati auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor.

 

Im Juni 2016 wurde bekannt, dass er am 1. Januar 2016 erneut positiv getestet worden war, dieses Mal auf Testosteron und zwar durch eine zweite Analyse, die die IAAF veranlasst hatte. Die entsprechende Probe war beim ersten Test als negativ klassifiziert worden.

 

Alex Schwazer erhielt eine Sperre über 8 Jahre, die vom CAS bestätigt wurde. Schwazer und Donati wehrten sich umgehend und sprachen von einer Verschwörung. Schwazer habe keinesfalls gedopt. Es sei aber sehr seltsam, dass die IAAF ihr Ersuchen auf die zweite Analyse einer Probe kurze Zeit nach Schwazers Aussagen gegen den italienischen Leichtathletikverband und Verbandsarzt Giuseppe Fischetto vor dem Untersuchungsrichter in Bozen gestellt habe. "Der Kalcher Geher sagt aus, dass er zwar aus freien Stücken mit dem Doping begonnen habe, dann aber den Sportarzt und FIDAL-Funktionär Pierluigi Fiorella selbst über seine Vergehen informiert habe. Informiert waren - laut Schwazer - aber auch der Leiter der Antidoping-Stelle der FIDAL Giuseppe Fischietto und die Leiterin des technischen Bereichs, Rita Bottiglieri. Offiziell für den Kampf gegen Doping zuständig, schauten alle drei aber weg." (salto.bz: „Thanks Thomas“, 7.7.2017)

 

Fischetto zählte lange Zeit zu den renommiertesten Personen des Anti-Doping-Kampfes der italienischen und internationalen Leichtathletik.

Anfang 2018 wurde Fischetto zusammen mit seinem Verbands-Sportarzt- Kollegen Pierluigi Fiorella zu je zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung einschließlich Berufsverbot und einer Geldstrafe verurteilt. Leichtathletikverbandsfunktionärin Rita Bottiglieri erhielt ein 9monatige Haftstrafe. Der Vorwurf lautet, von einem Dopingverdacht gewusst, ihn aber nicht gemeldet zu haben, damit hätten sie Doping begünstigt - man kann dies ein historisches Urteil nennen.

 

Da die Anklagen u.a. auf Aussagen Alex Schwazers vor den Anti-Doping-Behörden beruhten, könnte eine manipulierte Dopingprobe Schwazers durchaus im Interesse der Verurteilten liegen, so wie es Donati in den Raum stellte. Es gibt etliche Anzeichen und Hinweise darauf, dass von hoher Funktionärsseite versucht wurde, sich rein zu waschen. Näheres ist hier nach zu lesen: c4f: Giuseppe Fischetto, IAAF, FIDAL - Komplotte und mehr. Siehe auch die Auszüge gehäckter Emails von 2017 unten auf dieser Seite.

 

Die Affaire zog bzw. zieht sich lange hin. Anteile der Urinproben Schwazers gingen nach langem Hin und Her zur Staatsanwaltschaft Bozen, die erneute Analysen veranlasste. Doch der Manipulationsnachweis schien schwierig. In einem Interview der Gazzetta dello Sport mit Schwazer erklärte der Sportler, dass die entscheidende Frage die Konzentration der DNA in den Proben sei. Untersuchungen mit 100 Vergleichsproben anderer Personen, hätten gezeigt, dass sich die DNA-Konzentrationen über den vorliegenden langen Zeitraum von über 2 Jahren verringerten, sich die DNA-Konzentration von Schwazer in den vorliegenden Proben aber anders verhalten habe. Damit dürfte der Vorwurf, die Urinproben seien manipuliert worden, erhärtet worden sein. (gazzetta.it, 19.2.2019)

 

Mitte Februar 2021 wurde das Verfahren wegen Sportbetrugs gegen Alex Schwazer in Bozen auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Die Begründung lautete, die Urinprobe, die 2016 zu der Sperre von 8 Jahren des Gehers geführt hatte, sei höchstwahrscheinlich manipuliert worden, dafür lägen Beweise vor.

Im Bozener Urteil wird festgehalten, Schwazers Urinprobe sei in einer ersten Phase wahrscheinlich mit der Probe einer Person, die mit Testosteron gedopt war, gemischt worden, dessen DNA anschließend durch UV-Strahlung zerstört worden sei. Anschließend sei in einer zweiten Phase wieder DNA Schwazers hinzugefügt worden, wodurch sich erklären ließe, warum dessen DNA-Konzentration so ungewöhnlich hoch war - woraus sich ein Manipulationsvorwurf ergab.

 

Damit kommt das Kölner Anti-Doping-Labor ins Spiel. Donati mutmaßt, die erste Phase der Manipulation könnte in bei der Firma GQS in Stuttgart durchgeführt worden seien. Die Durchführung der Phase zwei sei aber möglicherweise in Köln geschehen. Damit muss es sich Fragen zu möglichen Manipulationen gefallen lassen. Schon im Laufe der Verhandlungen um die Übergabe der Proben an eine Sachverständigen der Staatsanwaltschaft Bozen kam es zu einem Schlagabtausch.

Sandro Donati: „Das Urin der A-Probe wurde aus dem üblichen Fläschchen genommen und davon 10ml abgefüllt. Dann sollte die B-Probe übergeben werden. Und hier gab der Direktor des Kölner Labors dem Sachverständigen nur ein Plastikröhrchen, das nicht verschlossen war.“ ...

Also eigentlich nicht die übliche Aufbewahrungsart einer B-Probe. Laut Donati soll der Sachverständige erst dann das offizielle Röhrchen bekommen haben, nachdem der Sachverständige insistiert hatte. (DLF: Doping oder Komplott? 20.2.2021)

 

Richter Walter Pelino hält in seinem Urteil fest, der Internationale Leichtathletikverband, einst IAAF, heute WA, und WADA hätten in der Sache eine 'undurchsichtige' Rolle gespielt. Der Richter schlägt eine Untersuchung gegen die Verbände vor, die Schwazer beschuldigt hatten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Sportler wegen seiner Aussagen als Kronzeuge diskreditiert werden sollte.

 

WA, WADA und das Kölner Labor weisen jegliche Unregelmäißigkeiten zurück.

Eine Aufhebung der Sperre Schwazers wird ausgeschlossen.

 

Detaillierte Angaben können der folgenden Presse-Chronik entnommen werden:

 



Es ist ein interner Schriftverkehr vom Jänner/Februar 2017, der einen tiefen Einblick in die Welt der internationalen Sportfunktionäre erlaubt. Vor allem aber sind die Mails eine explosive Chronik, die dem Gerichtsfall um die Dopingsperre von Alex Schwazer eine neue Wende geben könnte. Denn das Vorgehen der WADA und der IAAF machen deutlich, dass mit den umstrittenen Proben des Südtiroler Gehers einiges nicht stimmen kann.

Nur so lässt sich der Aufwand rechtfertigen, mit dem diese internationalen Organisationen und ihre Anwälte alles versuchen, um die vom Bozner Landesgericht angeordneten Untersuchungen von Schwazers Urinproben zu verhindern. Doch nicht nur das. Aus den Mails geht auch hervor, wie generalstabsmäßig man gegen Alex Schwazer und seinen Trainer Sandro Donati vorzugehen versucht.

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Von Anfang an laufen alle Fäden der WADA und der IAAF bei zwei hochkarätigen Anwälten zusammen, die auf den Bereich Sport spezialisiert sind. Ross Wenzel von der Kanzlei Kellerhals Carrad in Lausanne in der Schweiz und Huw Roberts, Anwalt in der Londoner Kanzlei Bird & Bird.

Wenzel und Roberts sind es letztlich, die den Fall Schwazer professionell steuern.

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Die IAAF wird in Deutschland von den renommierten Kölner Strafverteidigern Björn Gercke und Ulrich Leimenstoll vertreten. Sie sprechen jeden Schritt nicht nur mit Ross Wenzel ab, sondern auch mit der WADA. Das macht der Mail-Verkehr deutlich.

Die IAAF will unbedingt vor einem deutschen Gericht gegen die Herausgabe der Schwazer-Proben klagen. Doch die IAAF hat dabei von Anfang an ein größeres Problem. Der Verband hat seinen Sitz in Fürstentum Monaco und damit kein Klagerecht in der EU. In mehreren Mails zwischen Lausanne, London und Köln wird diese Rechtsfrage zu klären versucht. Man schafft es aber nicht.

Ulrich Leimenstoll arbeitet zwar einen Schriftsatz für die IAAF gegen das Bozner Rechtshilfeansuchen aus und er spricht auch mehrmals mit dem zuständigen Staatsanwalt, doch sicher ist nicht, dass die IAAF-Klage zugelassen wird.

Deshalb wird das Kölner Institut für Biochemie für die IAAF und die WADA zur Schlüsselstelle in dem Gerichtsfall. Am 9. Februar 2017 erkundigt sich Ulrich Leimenstoll bei Ross Wenzel: „Bist du einverstanden, wenn ich den Text unseres Schriftsatzes an Dr. Sartorius (Anwalt des Institutes für Biochemie) gebe, damit das Labor einen Schriftsatz ausarbeiten kann, der mit unserem harmonisiert ist“.

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Am 9. Februar schickt Ulrich Laimenstoll den Entwurf des Einspruchs der IAAF gegen das italienische Rechtshilfeansuchen beim Oberlandesgericht Köln an Ross Wenzel. In dem 24seitigem Schriftsatz steht unter anderem:

 

„Dagegen würde durch eine Verbringung in das Labor der Carabinieri in Parma, wie sie ausweislich des Schreibens vom 27.01.2017 (Anlage 4) sowie des Herausgabeersuchens vorgesehen ist (Bl. 119 HA), nicht nur die besagte „chain of custody“ durchbrochen. Sie hätte auch deshalb einen Beigeschmack, weil nicht nur dem Trainer des Athleten Schwazer enge Kontakte zur italienischen Polizei nachgesagt werden, sondern diese auch Sponsor des Athleten Schwazer ist, der regelmäßig mit dem Schriftzug „Carabinieri“ auf seinem Trikot aufgetreten ist (vgl. beispielhaft Anlage 7).“

 

Es ist der Versuch, das gesamte Bozner Ermittlungsverfahren als eine von den Carabinieri gesteuerte Reinwaschungsaktion darzustellen.

Einen Tag später schriebt Ross Wenzel an den Londoner WADA-Anwalt Huw Roberts und an den Antidoping-Chef der IAAF Thomas Capdevielle, einem erklärten Gegner von Alex Schwazer über den Schriftsatz:

 

„Ich denke, er ist in der Tat sehr gut. Er enthält alle wesentlichen Punkte und Wünsche (z. B. Köln / Rom-Analyse, Beibehaltung der Probe in Köln, Versiegelung von Probe usw.) und berührt ganz subtil auch einige der empfindlicheren Hintergrundpunkte (zB. Schwazer ist Ex-Carabinieri und tritt für sie bei Wettbewerben an, das italienische Medien-Spektakel um diesen Fall usw.).“

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Am 4. Februar 2017 wiederholen die Mailänder IAAF-Anwälte Sergio Spagnolo und Roberta Giolitto in einer Mail an Ross Wenzel ihre Bedenken und ihre Skepsis gegen die geplante Gegenklage in Köln. Man würde damit das Bozner Gericht gegen sich aufbringen und die allgemeine Meinung, dass hier etwas nicht stimme, noch einmal deutlich verstärken.

Ross Wenzel antwortet umgehend:

„Ich werde sicherlich Ihre E-Mail an die IAAF senden, aber es ist ausgeschlossen, dass die IAAF- ohne alles in ihrer Macht stehende, zu tun - die nicht versiegelte Probe an das Carabinieri-Labor liefern wird.“

In einer Mail die gleichzeitig an Thomas Capdevielle und Huw Roberts geht, lästert Wenzel über die Mailänder Anwälte: „Ich frage mich, ob sie auf unserer Seite sind.“

 

Probleme gibt es aber auch in Köln. Das Institut für Biochemie pfeift nicht so recht nach der Pfeife der IAAF. Weil weder der stellvertretende Institutsleiter Hans Geyer noch Anwalt Sartorius eine Zeitlang erreichbar sind, wendet sich Ross Wenzel Ross am 20. Februar an Thomas Capdevielle:

„Es scheint, dass das Laboratorium sehr zurückhaltend ist.. (...).. Die Wahrheit ist, dass das Labor versucht, so neutral wie möglich zu sein, aber es würde helfen, wenn sie bereit wären, unsere Position zu einem gewissen Grad zu sichern.“

Capdevielle antwortet 9 Minuten später:

„Hallo Ross, erkennen die, dass sie Teil der Handlungen gegen AS sind und die möglichen Konsequenzen für sie daraus? Hans braucht wohl mehr Hintergrundinformationen.“

AS steht hier für Alex Schwazer. Und Plot kann man durchaus auch mit Komplott übersetzen.

Wenig später erreicht Ross Wenzel Hans Geyer und gibt in einer Mail an Capdevielle Entwarnung: „Ich glaube, ich habe es geschafft, sie zu überzeugen.“

 

Ein Großteil dieses Mailverkehrs geht immer wieder zur Kenntnis an Thomas Capdevielle.

Capdevielle ist eine Schlüsselfigur im Dopingfall Schwazer. Der Anti-Doping-Manager der IAAF war es gewesen, der im Frühjahr 2016 dem Kölner Labor angeordnete hatte, die Harnprobe Alex Schwarzers mit einem Spezialverfahren nochmals zu analysieren. Erst dann kam das positive Ergebnis.

Am Vormittag des 14. Februar 2017 schreibt Thomas Capdevielle an Ross Wenzel und Huw Roberts. Capdeviells Frage: „Huw, bist du glücklich, den Entwurf an Barra zu schicken?“

Mit Barra ist Luciano Barra gemeint, Ex-Sekretär des italienischen Leichtathletikverbandes FIDAL. Barra hat in den vergangenen Jahren immer wieder Stimmung gegen Alex Schwazer gemacht. So forderte er mehrmals Kontrollen, bezichtigte Schwazer des Schwindels und versuchte mit einem offenen Brief Schwazers Olympiateilnahme zu verhindern.

Luciana Barra ist ein verbitterter und erklärter Gegner nicht nur von Alex Schwazer, sondern auch von Sandro Donati.

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